Gedicht „Wo stehe ich?“ - über Dietrich Bonhoeffer und die Gegenwart

„Wo stehe ich?“
von G. John, Vereinsmitglied

Er schrieb im Schatten der üblen Macht,
von Gnade, die nicht billig das Leben verschleiert,
von Verantwortung, die den Menschen erneuert,
und hielt am Gewissen fest in finsterer Nacht.

Er sah die Kirche im bequemen Sein,
wenn Worte sich beugen im Streit,
wenn Wahrheit verstummt mit der Zeit,
und Glaube sich verliert im frommen Schein.

Er wusste: das Gute entsteht nicht allein,
im Reden von Gott in geschütztem Raum,
sondern dort, wo der Mensch in gebroch`nem Traum
die Last des Anderen trägt in seinem Sein.

Er ging den Weg, der ins Offene zwingt,
wo Denken gefährlich wird - und konkret,
wo Nachfolge nicht nur im Innern besteht,
sondern Handlung, die in die Geschichte dringt.

Wir sehen die Welt in beschleunigter Zeit,
in Kriegen, die Grenzen und Leben verschieben,
in Stimmen, die sich in Algorithmen schreiben,
im Streit um Wahrheit und Deutung und Leid.

Wir leben verbunden - und dennoch allein,
in Netzen, die Nähe und Distanz neu entwerfen,
in Märkten, die Wünsche und Angst neu schärfen,
im Ringen um Sinn im globalen Sein.

Und mitten im Lärm unsrer brüchigen Zeit,
im Schatten von Macht, von Angst und von Leid,
steht Bonhoeffers Frage noch immer bereit:

Nicht „Wer bin -“ sondern „Wo stehe ich?“

Die Freiheit, ein Gebot zu übertreten - zum Zitat des Monats Juli 2026

Von G. John, Vereinsmitglied.

Wenn wir heute durch unseren Alltag gehen, sind wir von einer Flut von Regeln, Vorschriften und Paragraphen umgeben. Alles ist bis ins kleinste Detail durchorganisiert. Das gibt auf der einen Seite Sicherheit, verleitet auf der anderen Seite aber zu einer gefährlichen Bequemlichkeit: Man schaltet das eigene Denken ab und folgt blind dem Buchstaben des Gesetzes. Aber ist das wirklich die Freiheit, zu der wir gerufen sind?

Amerikas 250. Geburtstag oder: Trumps endgültig zementierte Spaltung der Nation

Von G. John, Vereinsmitglied.

Man wirft einen Blick auf die Bilder aus South Dakota und weiß sofort, welche Stunde es geschlagen hat. Keine Spur von feierlicher Würde. Keine Spur von einem Moment, der einem ganzen Land gehören könnte. Stattdessen blanke Machtpolitik vor einer gewaltigen Kulisse.
Was hier stattfand, war keine Feier für alle. Es war der endgültige Bau einer unüberwindbaren Mauer zwischen den Menschen.

Wir erlebten es an diesem 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit. Normalerweise ist dieses große Jubiläum ein festes Ritual: Ein Präsident nutzt den Moment, um die Gräben im Land zuzuschütten. Er spricht zur gesamten Bevölkerung und erinnert an das gemeinsame Fundament.

Doch Donald Trump hat diese alte Tradition endgültig zertrümmert.

Er hat die offiziellen Feierlichkeiten für ein zutiefst parteipolitisches Schauspiel missbraucht. Schon im Vorfeld warb er ungeniert damit, dass dies „the most spectacular TRUMP RALLY of them all“ („die spektakulärste Trump-Kundgebung von allen“) werden würde. Es ging nie um Amerika.
Es ging von Anfang an nur um ihn, seine Bewegung und das feste Einbetonieren seiner Macht über die Köpfe der anderen Hälfte hinweg.

Deutschland nicht mehr im UN-Sicherheitsrat. Österreich gewählt!

Von G. John, Vereinsmitglied

Es gibt eine neue Form von Weltpolitik. Sie spielt sich nicht mehr nur in Verträgen, großen Reden oder diplomatischen Kanälen ab. Sie zeigt sich dort, wo sie offiziell keiner wahrhaben will: im schleichenden Verlust von Vertrauen, in schwindender Glaubwürdigkeit und in der stillen Verschiebung dessen, was ein Staat auf der Weltbühne noch wiegt.

Die Abstimmung in den Vereinten Nationen in New York Anfang Juni 2026 war dafür ein bitterer Gradmesser.

Banksys "Mann mit der Fahne" in London

von G. John, Vereinsmitglied

30. April 2026.
Über Nacht ist im Zentrum von London eine neue Statue des Street-Art Künstlers Banksy aufgetaucht.
Ein Mann? Eine Person! Ein Mensch mit einer Fahne, das Gesicht von ihr verdeckt, macht einen Schritt – direkt ins Leere.
Ohne Ankündigung installiert und erst später bestätigt, wirkt das Werk zunächst wie eine weitere spektakuläre Aktion Banksys.
Doch: Diese Figur ist weniger ein Kunstereignis als eine unmissverständliche Warnung.

Weitere Beiträge ...