Frieden - Bonhoeffers schwieriger Weg. Dr. Detlef Bald
Die großen Worte von Dietrich Bonhoeffer zum Frieden klingen wie helle Erinnerungen, gut und mahnend, leuchtend und klar, manche unerkannt, aber viele bekannt. Seit 1930 gibt es sie.
So, mit Konfirmanden das Gebot ansprechend, „Du sollst nicht töten“, folgte seine Frage: „Aber muss man nicht im Krieg das Leben zerstören?“ Bonhoeffer gab die christlich-pazifistische Antwort: „Eben darum weiß die Kirche nichts von der Heiligkeit des Krieges“; er bekräftigte noch: „Die Kirche, die das Vaterunser betet, ruft Gott nur um den Frieden an“.
Voller Sorge wies er, politisch aufgeschlossen, besonders seit 1931 auf die Gefahren des Nationalsozialismus mit seinem völkischen Expansionismus hin. Ein nationaler NS-Krieg aber gerate zum „Kampf ums Dasein“ einer „Blut und Boden“-Ideologie. Mit diesen Vorstellungen von „Frieden“ warnte er Theologie und Kirche vor der Nähe zum NS-Regime.
Die Weite der Friedensethik entstand angesichts des Schwarz-Weiß-Rassismus in den USA, den Bonhoeffer im Herbst 1930 kennen lernte und ihn entsetzte. Seine theologische Umkehr folgte dem biblisch-neutestamentlichen Frieden im eigentlichen Sinn dieser Botschaft: „Das biblische Gesetz, die Bergpredigt, ist die absolute Norm für unser Handeln.“ Sie sei „ernst zu nehmen und zu realisieren“ als Verpflichtung, gebunden an Wahrheit und Recht. Dafür sei der volle Einsatz, ein „Kampf“ erforderlich, ganz dem Friedensbegriff von M. Gandhi verwandt.
Allgemein verbindlich sei: „Darum muss der heutige Krieg, also der nächste Krieg, der Ächtung durch die Kirche verfallen.“ Die Kirche müsse Distanz gegenüber dem NS-Staat halten, sie müsse „dem Rad in die Speichen“ fallen. Dem entsprach dieses berühmte Leitmotiv seiner Friedensethik: „Pacem facere zur Überwindung des Krieges“. Solchen Pazifismus lehnte Kirche ab; sie meldete Bonhoeffer der Gestapo als „Pazifist und Staatsfeind“.
Die große Frage: „Wie wird Friede?“ suchte Bonhoeffer im August 1934 in Fanö weiter zu klären. Seine Botschaft fasste er genial einfach: Frieden als das „Gebot Gottes“. Für die Praxis spitzte er zu: „eine allseitige friedliche Aufrüstung zum Zweck der Sicherstellung des Friedens?“. „Wie wird Friede?“ Jeder Einzelne, auch alle Kirchen und besonders die weltweite Ökumene seien aufgerufen, „dass die Welt zähneknirschend das Wort vom Frieden vernehmen muss“. Denn in der Realität herrschte der Schwertglauben: „Die Welt starrt in Waffen und furchtbar schaut das Misstrauen aus allen Augen, die Kriegsfanfare kann morgen geblasen werden“; daher fragend: „Wollen wir selbst mitschuldig werden?“
Bonhoeffer entwarf eine einzigartige Ethik einer christlich-ökumenisch verantworteten Friedenskultur. Er vertraute einem Friedensbegriff, der universell, für die Menschheit global Geltung hatte, ohne jeden Nationalismus und Rassismus, überkonfessionell und kulturübergreifend.
Dietrich Bonhoeffers Friedensethik war grundlegend – sein Erbe ist, wie er 1943 im Gefängnis formulierte: „Die letzte verantwortliche Frage ist nicht, wie ich mich heroisch aus der Affäre ziehe, sondern wie eine kommende Generation weiterleben soll“.
