Rundbrief 2026-09 Gehorsam

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HAPAX und ein herzliches Hallo zum Rundbrief September 2026!

„Ich hasse das kommunistische System, aber ich liebe die Menschen. Ich hasse die Sünde, aber ich liebe die Sünder. Ich liebe die Kommunisten von ganzem Herzen. Die Kommunisten können Christen zwar töten, aber sie können nicht die Liebe der Christen selbst gegen ihre Peiniger töten. Ich hege nicht die geringste Bitterkeit oder Groll gegen die Kommunisten oder gegen meine Folterer.“ 

Das ist das Credo von Richard Wurmbrand.

Er wurde am 24. März 1909 in der rumänischen Hauptstadt Bukarest geboren und starb am 17. Feber 2001 in Glendale (Kalifornien). Er war ein rumänischer lutherischer Pfarrer mit jüdischer Herkunft und Gründer der Hilfsaktion Märtyrerkirche. Aufmerksam auf ihn wurde ich durch den 2021 in den USA produzierten Film „Sabina. Die Geschichte von Sabina und Richard Wurmbrand“. 1936 heiratete er seine jüdische Frau Sabina, die 2000 verstarb. 1938 wurde ihr einziger Sohn Michael geboren. Richard Wurmbrand war zunächst überzeugter Atheist und wurde durch die Begegnung mit einem alten deutschen Zimmermann in einem kleinen rumänischen Dorf zu einem überzeugten Christen. Seine Frau nahm ebenfalls den christlichen Glauben an. 1967 erschien in London sein Buch „Tortured for Christ“, das in Deutschland 2026 in der 22. aktualisierten Neuausgabe unter dem Titel „Gefoltert für Christus“ erschien. In diesem beschreibt er sein Leben als Christ und Pfarrer in der kommunistischen Diktatur Rumäniens, in der er 14 Jahre im Gefängnis saß und gefoltert wurde. Im Dezember 1965 konnten er und seine Familie Rumänien verlassen, weil sie von europäischen Christen freigekauft wurden. Erst 1990 durften sie nach dem Zusammenbruch des Kommunismus wieder nach Rumänien einreisen. Im Oktober 1967 veröffentlichte Wurmbrand die erste Ausgabe des Informationsbriefes „Stimme der Märtyrer“, um über die Lebenssituation und Nöte von Christen in aller Welt zu berichten, die wegen ihres Glaubens diskriminiert, verfolgt oder getötet werden. Heute ist die „Stimme der Märtyrer“ das Magazin der „Hilfsaktion Märtyrerkirche“ (HMK).   

In seinem Buch steht sein oben genanntes Credo und folgende Worte: „Meine Frau und ich wurden mehrere Male verhaftet, geschlagen und vor Nazi-Richter geschleppt. Der Naziterror war schlimm. Aber das war nur ein Vorgeschmack auf das, was unter den Kommunisten kommen sollte … Die Kommunisten wussten: Wenn ein Mensch an Christus glaubt, würde er niemals ein geistloser willfähriger Untertan werden. Sie wussten, dass sie wohl den physischen Leib inhaftieren konnten, aber nicht den menschlichen Geist mit seinem Glauben an Gott … Während der Schläge … [pflegten] die Kommunisten oft zu Christen zu sagen: ‘Weißt du, ich bin Gott. Ich habe die Macht über Leben oder über Tod für dich. Der im Himmel kann nicht darüber entscheiden …‘ … Die Kommunisten haben schreckliche Gräuel begangen … so ist … die Liebe Christi allumfassend … Christus, die fleischgewordene Liebe, möchte, dass alle Menschen zu Ihm kommen, auch die Kommunisten … Es gibt nur eine Macht, die Unterdrückerregime überwinden kann … Diese Macht ist die Kraft des Evangeliums, die von der Untergrundkirche in allen Ländern der Unterdrückung repräsentiert wird … Die Untergrundkirche ist eine arme und leidende Kirche, aber sie hat kaum laue Mitglieder … Die Bezeichnung ‚Untergrundkirche‘ stammt von den Kommunisten wie auch von westlichen Erforschern der religiösen Lage im Osten … Die Mitglieder der Untergrundkirche … nennen sich selbst Christen, Gläubige, Kinder Gottes usw. … Man hat mich die ‚Stimme der Untergrundkirche‘ genannt … Die Botschaft, die ich von der Untergrundkirche überbringe, lautet: ‚Gebt uns nicht auf! Vergesst uns nicht! Schreibt uns nicht ab. Gebt uns die Mittel und Werkzeuge, die wir brauchen!‘ … Evangelien, Bibeln, christliche Literatur, praktische Hilfe – und wir werden für den Rest sorgen.“ (Quelle: Richard Wurmbrand: Gefoltert für Christus, Schotten 2026, S. 20, 42, 56, 72, 78, 92, 106, 145, 176-178)    

Das Buch „Gefoltert für Christus, beschreibt nicht nur die Fakten über das Leben von Richard Wurmbrand, der durch das brutale kommunistische Regime in Rumänien gelitten hat, sondern offenbart auch seinen tiefen Glauben an Jesus, für den er tapfer und mutig Zeugnis abgegeben hat. Deswegen war er auch ein Märtyrer für seinen christlichen Glauben, nicht weil er den Märtyrertod erlitten hat, sondern wegen seines Gehorsams gegenüber Jesus Christus, zu dem er sich als Christ gerufen und berufen wusste. Das Buch fordert jeden Christen heraus, seinen Glauben zu überprüfen und inspiriert auch, für diesen standhaft zu bleiben. 

Infos über die Hilfsaktion Märtyrerkirche e.V.: www.verfolgte-christen.org
Spendenkonto:
Hilfsaktion Märtyrerkirche e.V.
Sparkasse Salem-Heiligenberg
IBAN: DE27 6905 1725 0002 0314 17

Ob Dietrich Bonhoeffer in seiner Berliner Haft und in den Konzentrationslagern Buchenwald und Flossenbürg durch die Nazis gefoltert wurde, ist nicht eindeutig geklärt. Wahrscheinlich hat er mit Folter gerechnet:

„Im Glauben kann ich alles ertragen (-hoffe ich-), auch eine Verurteilung, auch die anderen befürchteten Folgen … “ (Quelle: Dietrich Bonhoeffer: Widerstand und Ergebung, Dietrich Bonhoeffer Werke Band 8, München 1998, S. 252)

„Gemessen an Tegel [Gefängnis Berlin Tegel] war die Prinz-Albrecht-Straße [Gestapo-Gefängnis Berlin] eine andere Welt. Es gab keine Sprecherlaubnis. Briefkontakte waren untersagt … Er [Dietrich] ist zwar mit der Folter bedroht, aber nicht gefoltert worden.“ (Ferdinand Schlingensiepen: Dietrich Bonhoeffer, München 2010, S. 376)

„Die Berliner Gefängnisse! Was wußte ich von ihnen noch vor einigen Jahren, und wie mit anderen Augen habe ich sie seitdem angesehen. Das Charlottenburger Untersuchungsgefängnis, in dem Tante Christel [Dietrichs Schwester) seit einiger Zeit gefangen saß, das Tegeler Militäruntersuchungsgefängnis, in dem Onkel Dietrich anderthalb Jahre saß, das Moabiter Militärgefängnis mit Onkel Hans [Dietrichs Schwager], das SS-Gefängnis in der Prinz-Albrecht Straße, wo Onkel Dietrich ein halbes Jahr im Kellergeschoß hinter Gittern gehalten wurde, und das Gefängnis in der Lehrter Straße, wo man Onkel Klaus [Dietrichs Bruder] folterte und Onkel Rüdiger [Dietrichs Schwager] quälte, wo sie noch zwei Monate nach ihrem Todesurteil lebten.“ (Quelle: Rückschau des Überlebenden. Karl-Friedrich Bonhoeffer [Dietrichs Bruder] an seine Kinder [Dietrichs Neffen und Nichte Karl, Friedrich, Martin, Katharina], Juni 1945, in: Dietrich Bonhoeffer: Widerstand und Ergebung, Dietrich Bonhoeffer Werke 8, München 1998, S. 619)

Für Dietrich Bonhoeffer war „Gehorsam“ gegenüber Gott bzw. Jesus Christus sehr wichtig. An drei Beispielen aus seinen Schriften wird dies deutlich:

1. In seiner Rechenschaft „Nach zehn Jahren“ an der Wende zum Jahr 1943 schreibt Bonhoeffer - diese Worte passen sehr gut zu den Überzeugungen Wurmbrands: „Wer hält stand? Allein der, dem nicht seine Vernunft, sein Prinzip, sein Gewissen, seine Freiheit, seine Tugend der letzte Maßstab ist, sondern der dies alles zu opfern bereit ist, wenn er im Glauben und in alleiniger Bindung an Gott zu gehorsamer und verantwortlicher Tat gerufen ist, der Verantwortliche, dessen Leben nichts sein will als eine Antwort auf Gottes Frage und Ruf. Wo sind diese Verantwortlichen?“ (Quelle: Dietrich Bonhoeffer: Widerstand und Ergebung, Dietrich Bonhoeffer Werke Band 8, München 1998, S. 23.)

2. Im Matthäus-Evangelium, Kapitel 19, die Verse 16 – 22 ist das Gespräch zwischen Jesus und einem reichen Jüngling überliefert. Der reiche Jüngling fragt Jesus nach seinem Weg zum ewigen Leben. Jesus antwortet, dass er alles verkaufen und ihm nachfolgen soll. Bonhoeffer schreibt: „Der Jüngling suchte eine Antwort auf seine Frage. Die Antwort heißt: Jesus Christus … Der Jüngling steht vor Jesus, dem Sohne Gottes. Die volle Begegnung ist da. Es gibt nur noch Ja oder Nein, Gehorsam oder Ungehorsam. Die Antwort des Jünglings ist Nein … Er hatte viele Güter. Der Ruf in die Nachfolge bekommt auch hier keinen anderen Inhalt als Jesus Christus selbst, die Bindung an ihn, die Gemeinschaft mit ihm. Aber nicht schwärmerische Verehrung eines guten Meisters, sondern Gehorsam gegen den Sohn Gottes ist die Existenz des Nachfolgenden.“ (Quelle. Dietrich Bonhoeffer: Nachfolge, Dietrich Bonhoeffer Werke Band 4, München 1989, S. 65)

3. In seinem theologischen Gutachten „Staat und Kirche“ schreibt Bonhoeffer: „Die Kirche hat den Auftrag, alle Welt unter die Herrschaft Jesu Christi zu rufen. Sie bezeugt der Obrigkeit den gemeinsamen Herrn. Sie ruft die obrigkeitlichen Personen zum Glauben an Jesus Christus um ihrer Seligkeit willen. Sie weiß, daß im Gehorsam gegen Jesus Christus der obrigkeitliche Auftrag recht vollführt wird. Ihr Ziel ist nicht, daß die Obrigkeit christliche Politik, christliche Gesetze etc. macht, sondern daß sie rechte Obrigkeit im Sinne ihres besonderen Auftrages sei. Die Kirche führt die Obrigkeit erst zum Verständnis ihrer selbst. Sie beansprucht um des gemeinsamen Herrn willen das Gehör der Obrigkeit, den Schutz der öffentlichen Verkündigung gegen Gewalttat und Blasphemie, den Schutz der kirchlichen Ordnung vor willkürlichem Eingriff, den Schutz des christlichen Lebens im Gehorsam gegen Jesus Christus selbst.“ (Quelle: Dietrich Bonhoeffer: Konspiration und Haft 1940 – 1945, Dietrich Bonhoeffer Werke Band 16, München 1996, S. 528 f)

Fragen zum Nachdenken:

  • Hast Du schon mal etwas über Richard Wurmbrand gehört oder gelesen?
  • Was weißt Du über die Hilfsaktion Märtyrerkirche e.V.?
  • Warum werden so viele Christen in aller Welt diskriminiert, verfolgt oder getötet?
  • Was verstehst Du unter Gehorsam?
  • Würdest Du Folter wegen Deines Glaubens bzw. wegen Deiner Überzeugung aushalten?
  • Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen dem Nationalsozialismus und dem Kommunismus erkennst Du?

Lesen wir bis zum Rundbrief Oktober 2026:
Psalm 89; Matthäus-Evangelium, Kapitel 12, die Verse 9-14.

Liebe Grüße, Euer Obmann Uwe