Rundbrief 2026-08 Die Welt war meine Gemeinde

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HAPAX und ein herzliches Hallo zum Rundbrief August 2026!

„Die Welt war meine Gemeinde“, so heißt die Autobiographie des niederländischen reformierten Theologen Willem Adolf Visser ‘t Hooft, der am 20. September 1900 in Haarlem geboren wurde und am 4. Juli 1985 in Genf verstarb. 1948 wurde in Amsterdam der Ökumenische Rat der Kirchen gegründet. Visser ’t Hooft war der erste Generalsekretär und hatte dieses Amt bis zu seinem Ruhestand im Jahre 1966 inne.

Der Ökumenische Rat der Kirchen hat derzeit 356 Mitgliedskirchen mit ca. 580 Millionen Christinnen und Christen. Der gegenwärtige Generalsekretär ist der Südafrikaner Jerry Pillay. Die römisch-katholische Kirche ist kein ordentliches Mitglied im weltweiten Ökumenischen Rat der Kirchen, arbeitet jedoch eng mit diesem zusammen. Sie ist aber Mitglied im Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich.

Willem Adolf Visser ‘t Hooft war ein Zeitgenosse Bonhoeffers, unterstützte in der Zeit des Nationalsozialismus die Bekennende Kirche und hatte eine enge Verbindung zum deutschen Widerstand. Visser ’t Hooft und Bonhoeffer waren führende Persönlichkeiten in der damaligen ökumenischen Bewegung der Kirchen.

In seiner Autobiographie beschreibt er auch Begegnungen mit und Eindrücke über Bonhoeffer: „Ebenfalls im März [1939] traf ich zum erstenmal Dietrich Bonhoeffer. Es war merkwürdig, daß wir uns vorher noch nie begegnet waren. Schon 1931 hatte er mein Buch über das Soziale Evangelium für seine Studien über das Christentum in Amerika benutzt. Wir waren zu denselben Konferenzen eingeladen worden und sogar Mitglieder derselben ökumenischen Jugendkommission gewesen, aber wir hatten nicht an denselben Sitzungen teilgenommen. Ich hatte eine Reihe von Bonhoeffers Schriften gelesen. Sein provozierender und zupackender Artikel aus dem Jahre 1935 ‚Die Bekennende Kirche und die Ökumenische Bewegung‘ [Bonhoeffers Aufsatz „Die Bekennende Kiche und die Ökumene ist abgedruckt in seinem Buch: „Illegale Theologenausbildung. Finkenwalde 1935 – 1937. Dietrich Bonhoeffer Werke Band 14, München 1996, S. 378 – 399] hatte mich tief beeindruckt. Hier war ein Mann, der es wagte, die Frage nach der Raison d’être [dieser französiche Begriff bedeutet auf Deutsch Daseinsgrund oder Existenzberechtigung] der Ökumenischen Bewegung zu stellen … Meine Beziehungen zu Angehörigen des deutschen Widerstandes und unsere gemeinschaftlichen Bemühungen um den Frieden gehören so eng zusammen, daß sie nur als Ganzes geschildert werden können. Hitlers innerdeutsche Gegner kamen vor allem deshalb zu mir, um bei der Kontaktaufnahme zu Engländern und Amerikanern in einflußreichen Stellungen meine Vermittlung zu erbitten … Wirklich überzeugt von dem Bestehen eines ernst zu nehmenden Widerstands haben mich zwei Männer, die selber sehr stark engagiert waren: Dietrich Bonhoeffer und Adam von Trott zu Solz). Bonhoeffer kam im März 1941 nach Genf. In den beiden Jahren seit unserer ersten Begegnung hatte er sich tiefer in die verschwörerische Tätigkeit der Hitlergegner eingelassen. Aber er machte nicht den Eindruck eines von den Spannungen und Gefahren seiner Existenz zerrissenen Menschen. Mit seinem runden, fast jugendhaften Gesicht, seinem fröhlichen Wesen, seiner Freude an einer guten Anekdote oder einer gut zubereiteten Mahlzeit schien er eine positivere Einstellung zum Leben zu haben als viele von uns, die wir vergleichsweise geruhsam in der neutralen Schweiz lebten … Ein paar Monate später, im September 1941, war Bonhoeffer wieder in Genf … Um so verblüffter war ich, als Bonhoeffer das Gespräch mit den Worten eröffnete: ‚Und das ist nun der Anfang vom Ende … Da kommt der Adolf nie mehr heraus [gemeint ist Hitlers Krieg gegen Russland] … In seinen Gesprächen … mit mir in Genf hatte er sich überzeugt erklärt, daß der einzige Weg für die Christen in Deutschland der Weg der Buße sein. Bald nach seinem Tod im April 1945 hatte ich die Gedichte erhalten, die er während seiner Gefangenschaft geschrieben hatte. In einem dieser Gedichte, ‚Nächtliche Stimmen‘, [dieses Gedicht ist abgedruckt in Bonhoeffers Buch „Widerstand und Ergebung“. Dietrich Bonhoeffer Werke Band 8, München 1998, S. 516 - 523] hatte er in an die Bußpsalmen erinnernden Formulierungen davon gesprochen, wie die Christen in Deutschland vor Gott ihre Sünden bekennen müßten. Diese Worte eines Menschen, dessen Leben und Sterben gläubiges Zeugnis gewesen waren, hatte mich tief beeindruckt, und ich hoffte, die Kirche in Deutschland werde so sprechen wie er … Adam [gemeint ist der deutsche Jurist und Widerstandskämpfer Adam von Trott zu Solz] wurde bald nach dem Aufstand vom 20. Juli 1944 hingerichtet. Dietrich Bonhoeffer war schon vor dem Attentat verhaftet worden, und wir hofften, daß er mit dem Leben davonkommen würde. Aber noch im allerletzten Moment des Krieges wurde er ermordet. Diese Männer würden uns sehr fehlen. Beide starben jung und hätten noch viel zu geben gehabt. Oder sollten wir lieber denken: Durch ihren Tod sprachen sie eindringlicher zu uns, als alle Worte und Taten eines längeren Lebens es vermocht hätten?“ (Quelle: Willem Adolf Visser ‘t Hooft: Die Welt war meine Gemeinde, München 1972, S. 132 f, 182 - 185, 199 f, 228)   

Fragen zum Nachdenken:

  • Hast Du schon mal etwas über Willem Adolf Visser ‘t Hooft gehört oder gelesen?
  • Was weißt Du über den Ökumenischen Rat der Kirchen?
  • Wer bzw. wo war oder ist Deine Gemeinde?
  • Wie würdest Du die Frage am Ende meines Rundbriefes beantworten?

Lesen wir bis zum Rundbrief September 2026: Psalm 88; Matthäus-Evangelium, Kapitel 12, die Verse 1 - 9

Liebe Grüße, Euer Obmann Uwe