Rundbrief 2026-05 Mutiges Hinsehen
HAPAX und ein herzliches Hallo zum Rundbrief Mai 2026!
„Wenn ich heute durch das Tor von Buchenwald gehe, dann tue ich das nicht als öffentliche Person, sondern als Enkel eines Überlebenden.“
Mit diesem Satz beginnt Hape Kerkeling seine berührende Rede über seinen Opa Hermann Kerkeling am 11. April 2026 innerhalb einer Gedenkveranstaltung im ehemaligen KZ Buchenwald (liegt in der Nähe der Goethe- und Schillerstadt Weimar im deutschen Bundesland Thüringen).
Hape Kerkeling wurde am 9. Dezember 1964 als Hans-Peter Wilhelm Kerkeling in Recklinghausen (Stadt im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen) geboren und ist seit über 30 Jahren Comedian, Moderator, Entertainer, Schauspieler, Sänger, Autor, Parodist und Kabarettist.
Die Rede Hape Kerkelings ist unter folgendem Link nachzulesen:
https://www.bild.de/news/inland/buchenwald-hape-kerkelings-beruehrende-rede-im-wortlaut-69dba4faf30b32a4822c256d
Literaturtipp: Hape Kerkelings Buch von 2024 „Gebt mir etwas Zeit. Meine Chronik der Ereignisse“, in dem er auch die bewegte Geschichte seiner Familie beschreibt, besonders S. 262 - 271)
In Bonhoeffers Schriften habe ich keine Analysen und Abhandlungen über den Begriff Demokratie gefunden. Das liegt eventuell daran, dass er in keiner stabilen Demokratie gelebt und gewirkt hat. Geboren wurde er im Deutschen Kaiserreich, seine theologische Ausbildung und Teile seiner kirchlichen und universitären Laufbahn waren in der schwachen Demokratie der Weimarer Republik, sein theologischer und politischer Widerstand waren in der Nazi-Diktatur.
Bonhoeffer gehörte zum Freiburger Kreis, einer Gruppe von Hochschullehrern und Geistlichen, der sich Ende 1938 in Freiburg (Baden-Württemberg) gründete. Es entstanden dort drei oppositionelle Arbeitskreise: das „Freiburger Konzil“ der „Freiburger Bonhoeffer-Kreis“ und die „Arbeitsgemeinschaft Erwin von Beckerath“ (deutscher Ökonom). Ziel ihrer antinationalsozialistischen Aktivitäten war es, zu klären, wie sich Christen gegenüber einem Unrechtsregime verhalten sollen und herauszuarbeiten, wie eine politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Ordnung für ein neues demokratisches Deutschland nach Ende der Nazi-Herrschaft aussehen könnte. Der Name der zweiten Gruppierung des Freiburger Kreises wird auch als „Freiburger-Bonhoeffer-Kreis“ bezeichnet, den Bonhoeffer aber nie geleitet oder in der Öffentlichkeit vertreten hat. Dieser entstand wegen der Bitte Bonhoeffers um eine Programmschrift für die Arbeit in einer ökumenischen Weltkirchenkonferenz. In dieser sollte die innen- und außenpolitische Lage Deutschlands nach dem Ende des Krieges erörtert werden. Dazu kam Bonhoeffer am 9. Oktober 1942 nach Freiburg. Die Denkschrift sollte an den anglikanischen Bischof George Bell von Chichester gelangen, der zu den beiden hochkirchlichen Oberhausmitgliedern im britischen Parlament zählte und seit Ende Mai 1942 mit Bonhoeffer in Verbindung stand. Der endgültige Text erhielt den Titel: „Politische Gemeinschaftsordnung. Ein Versuch zur Selbstbesinnung des christlichen Gewissens in den politischen Nöten unserer Zeit“. Diese Schrift wird auch als „Große Denkschrift“ bezeichnet. Mit etwa 120 Manuskriptseiten gilt sie als das ausführlichste zusammenhängende Zeugnis des deutschen Widerstands. Im ersten Hauptteil wurden die Gründe für den Erfolg des Nationalsozialismus aus historischer Perspektive ausführlich erörtert; der zweite Hauptteil behandelte die, in einem zukünftigen deutschen Staat, zu realisierende Innen- und Außenpolitik. Wegen der Gefahr der Entdeckung durch die Gestapo wurde die „Große Denkschrift“ nur in drei Exemplaren ausgefertigt und an einem geheimen Ort aufbewahrt. Bonhoeffer wurde im April 1943 verhaftet. Alle Teilnehmer des Arbeitskreises „Freiburger Denkschrift“ wurden im Zuge der Verhaftungswelle nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 festgenommen. Dietrich Bonhoeffer wurde am 9. April 1945, der Jurist und Politiker Carl Goerdeler am 2. Feber 1945 und der Jurist Justus Perels am 23. April 1945 hingerichtet.
(Quelle: Helmut Thielicke (Hg.): In der Stunde Null. Die Denkschrift des Freiburger „Bonhoeffer-Kreises“. Politische Gemeinschaftsordnung. Ein Versuch zur Selbstbesinnung des christlichen Gewissens in den politischen Nöten unserer Zeit, Tübingen 1979, S. 27. Siehe auch die Ausführungen zur Freiburger Denkschrift in Eberhard Bethges Buch: Dietrich Bonhoeffer. Theologe – Christ – Zeitgenosse, München 1967, S. 871 – 873.)
Weiterer Literaturtipp: Eva von Redecker: Dieser Drang nach Härte. Über den neuen Faschismus, Frankfurt/M. 2026. Die deutsche Philosophin stellt in ihrem Buch heraus, dass Besitzdenken ein sehr wichtiges Merkmal des alten Faschismus des letzten Jahrhunderts war und auch des neuen der gegenwärtigen Zeit ist. Es geht um das Bestreben, Nationen, Dinge und Menschen besitzen zu wollen. Sie nennt dieses Besitzdenken „Phantombesitz“.
Fragen zum Nachdenken:
- Welche Aussagen der Rede Hape Kerkelings haben Dich angesprochen?
- Wann und wo hast Du weggesehen bzw. mutig hingesehen?
- Welche Bedeutung hat für Dich die Demokratie?
- Was verstehst Du unter Faschismus?
Lesen wir bis zum Rundbrief Juni 2026:
Psalm 85; Matthäus-Evangelium, Kapitel 11, die Verse 7 – 19
Liebe Grüße, Euer Obmann Uwe
