Andacht 2026-07-26 Gott ist mit auf unseren Lebenswegen

Geschrieben von Super User on . Posted in Andachten

Uwe Träger, Obmann

Begrüßung: Ich grüße Euch und Sie sehr herzlich zur Hausandacht für Sonntag, 26. Juli 2026. Wir lesen diese mit dem Vertrauen, dass Gott mit auf unseren Lebenswegen ist und daher im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Lied: Befiehl du deine Wege, Evangelisches Gesangbuch 361, die Strophen 1, 2 + 8:
Strophe 1: Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt. Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.
Strophe 2: Dem Herren musst du trauen, wenn dir’s soll wohlergehn; auf sein Werk musst du schauen, wenn dein Werk soll bestehn. Mit Sorgen und mit Grämen und mit selbsteigner Pein lässt Gott sich gar nichts nehmen, es muss erbeten sein.
Strophe 8: Ihn, ihn lass tun und walten, er ist ein weiser Fürst und wird sich so verhalten, dass du dich wundern wirst, wenn er, wie ihm gebühret, mit wunderbarem Rat das Werk hinausgeführet, das dich bekümmert hat.

Lesung aus dem Evangelium nach Johannes, Kapitel 14, die Verse 1 bis 6 nach der Lutherbibel 2017: Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich! In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn’s nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten? Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, auf dass auch ihr seid, wo ich bin. Und wo ich hingehe – den Weg dahin wisst ihr. Spricht zu ihm Thomas: Herr, wir wissen nicht, wo du hingehst; wie können wir den Weg wissen? Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich. Amen.

Gedanken zur Lesung: Im Neuen Testament sind die vier Evangelien nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes überliefert. Evangelium ist ein griechisches Wort und bedeutet auf Deutsch: Gute Nachricht oder Frohe Botschaft. Es ist die gute Nachricht oder frohe Botschaft, dass Gott uns in Jesu Namen liebt und wertschätzt. Das älteste Evangelium ist das nach Markus. Es entstand ca. 70 nach Christus. Das Evangelium des Johannes ist das jüngste der vier Evangelien und wurde zwischen 80 und 110 nach Christus geschrieben. Verfasser soll der Apostel Johannes gewesen sein, dessen Gedenktag der 27. Dezember ist. Schauen wir darauf, wie die vier Evangelien beginnen und enden. Matthäus beginnt mit dem Stammbaum von Jesus, am Ende heißt es: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Markus beginnt mit der Taufe von Jesus, es endet mit den Worten: Die Jünger zogen aus und predigten an allen Orten. Und der Herr wirkte mit ihnen. Lukas schildert zuerst die Geburt von Jesus und am Ende heißt es: Die Jünger waren allezeit im Tempel und priesen Gott. Und Johannes stellt mit seinen ersten Worten „Im Anfang war das Wort …“ heraus, dass Jesus immer schon beim Vater war. Am Schluss stellt er fest: Es sind noch viel andere Dinge, die Jesus getan hat. Wenn aber eins nach dem anderen aufgeschrieben werden sollte, so würde, meine ich, die Welt die Bücher nicht fassen, die zu schreiben wären. Ja, der Evangelist Johannes hat recht. Ein Menschenleben reicht nicht aus, um alle Bücher und Aufsätze über Jesus zu lesen, die bis heute geschrieben worden sind.

In diesen Büchern und Aufsätzen geht es meistens um historische Fakten seiner Zeit, um die Bedeutung der Worte und Taten Jesu und um die Frage, wie Jesu sich selbst verstanden hat – als Prophet, Menschensohn, Messias, Christus, Sohn Gottes. Im Johannes-Evangelium sind die sieben Ich-bin-Worte von Jesus überliefert. Ich bin das Licht der Welt – diese Worte stehen auf dem Eingangstor zu unserer Kirchheimer Kirche. Ich bin die Auferstehung und das Leben - diese Worte stehen auf unserer Wiedweger Urnenwand. Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater denn durch mich – so endet unsere Lesung. Im Johannes-Evangelium finden wir eine Erzählung, die nur in diesem steht. Es ist die Begegnung zwischen Jesus und dem ungläubigen Thomas, der nicht glauben konnte, dass Jesus von den Toten auferstanden ist und daher den auferstandenen Jesu unbedingt anfassen wollte. Er vertritt damals die Meinung, die auch heute von vielen Menschen unserer Zeit vertreten wird: „Ich glaube nur das, was ich sehe.“ Als er den auferstandenen Jesus anfassen durfte, bekannte er: „Mein Herr und mein Gott.“ Und Jesus sagte dann: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“ Thomas war vor der Begegnung mit dem auferstandenen Jesus auch skeptisch. Jesus saß mit seinen Jüngern zusammen am Tisch und reichte ihnen das letzte Abendmahl. Judas hatte den Raum bereits verlassen und war zu den Hohepriestern geeilt, um Jesus zu verraten. Jesus wusste, dass es sein letzter Abend war und bereitete seine Jünger darauf vor, was kommen wird. Jesus sprach von einem Weg. Er ging davon aus, dass alle wüssten, welchen Weg er meinte. Erneut war es Thomas, der wieder kritisch war, der nicht vorschnell Ja und Amen sagte und Jesus nach dem richtigen Weg fragte: „Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie können wir da den Weg kennen?“ Jesus reagierte wie bei seiner Begegnung mit dem zweifelnden Thomas nicht forsch, rollte nicht mit den Augen und machte Thomas auch nicht fertig. Er sagte behutsam und überzeugend zu Thomas: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ Jesus redet in diesen Worten über den Weg zu Gott. Nur über Jesus geht der Weg zu Gott, bei dem unsere himmlische Heimat sein wird. Wer Jesus erkannt hat, hat auch seinen Vater erkannt. An zwei anderen Stellen des Johannes-Evangeliums heißt es: „Ich und der Vater sind eins“ (Johannes 10, 30) bzw.: „Wer mich sieht, sieht den Vater“ (Johannes 14, 9). Gott, der Vater ist das Ziel. Der Weg dahin führt nur über Jesus. Jesus ist sozusagen unser Navigationssystem für unsere Lebenswege und für unseren Weg zu Gott. Es ist gut, wenn man einen anderen Menschen vertrauen und folgen kann, mit ihm auf dem Weg sein zu können, weil er den richtigen Weg kennt. Deswegen wollen wir auch Jesus vertrauen und ihm folgen, weil er mit uns auf unseren Lebenswegen ist. Weil er bei uns ist, ermutigt er uns mit seinen Worten: „Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich!“  Denn auf unseren Lebenswegen gibt es viele Situationen, die unser Herz erschrecken lassen – sei es eine schlimme Krankheit, sei es der Tod eines lieben Menschen, sei es der Verlauf unseres Lebens, den wir uns anders vorgestellt haben, sei es die politische und wirtschaftliche Lage in der Welt. Erschreckt wird mein Herz durch Zahlen. Unsere evangelische Kirche in Österreich schrumpft. 2025 gab es nur noch ca. 240.000 Evangelische. Das sind 2,7 % von ca. 9 Millionen Einwohnern Österreichs. Ein kleiner Trost kann sein, dass auch andere christliche Kirchen in Mitteleuropa Mitglieder verlieren und kleiner werden. Außerdem wird mein Herz erschreckt, weil wir einen zunehmenden Pfarrermangel haben und vakante Pfarrstellen nicht mehr nachbesetzen können. Aber wir wollen uns durch Worte von Jesus ermutigen lassen: „Glaubt an Gott und glaubt an mich!“ Die christliche Kirche hat nun eine fast 2000-jährige Geschichte hinter sich. Bis heute gibt es böse Mächte, die die christliche Kirche vernichten wollen. Aber Gott wird seine Kirche bewahren und ihr durch die Kraft seines Heiligen Geistes immer wieder neue Wege und Ziele aufzeigen. Für unseren Glauben brauchen wir geistliche Nahrung. Diese finden wir in der Bibel, in der Heiligen Schrift. Am 3. Mai 1728, also vor gut 298 Jahren, gab der evangelische Pfarrer Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf (1700 – 1760) bei der abendlichen Versammlung in Herrnhut (kleine Stadt in Sachsen) der Gemeinde ein kurzes Bibelwort für den kommenden Tag mit auf den Weg. Dieses tägliche Bibelwort nannte Zinzendorf Losung. 1731 wurde die erste gedruckte Sammlung mit Losungen für jeden Tag herausgegeben. Seit 295 Jahren erscheinen die Losungen Jahr für Jahr. Im Losungsbuch stehen für jeden Tag des Kalenderjahres die Losung aus dem Alten Testament und ein ergänzender Lehrtext aus dem Neuen Testament. Zwei Verse aus der Bibel lesen, Tag für Tag - das kann jeder täglich schaffen!  Außerdem gibt es auch die Jahreslosung mit einem Vers aus der Bibel, der einem das ganze Jahr begleiten soll. Die Jahreslosung für 2026 steht in der Offenbarung (Kapitel 21, Vers 5): „Siehe, ich mache alles neu!“ Die Losungen sind ein wichtiger Baustein evangelischer Frömmigkeit. Diese stärken den Glauben und geben Lebensmut. Die Losung für heute aus dem ersten Buch Mose, Kapitel 45, Vers 24 heißt: „Josef sprach zu seinen Brüdern: Zankt nicht auf dem Weg!“ Der ergänzende Lehrtext aus dem Matthäus-Evangelium, Kapitel 5, Vers 9 heißt: „Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ Geistliche Nahrung für unseren Glauben bekommen wir auch durch Vorbilder für unseren Glauben. Es ist ein Missverständnis zu meinen, dass es in der Evangelischen Kirche keine Wertschätzung der Heiligen gibt. Wir rufen diese nicht an und bitten nicht um Fürsprache bei Gott wie in der römisch-katholischen Frömmigkeit. Heilige sollen aber für uns Vorbilder sein, die unseren Glauben stärken können. Deswegen steht in Artikel 21 des Augsburger Bekenntnisses von 1530 –  dieses ist sozusagen die Verfassung unserer evangelischen Kirche und deswegen ist unser Bekenntnis Evangelisch A. B. (Abkürzung für Augsburger Bekenntnis, also lutherisch): „Vom Heiligendienst wird von den Unseren so gelehrt, dass man der Heiligen gedenken soll, damit wir unseren Glauben stärken, wenn wir sehen, wie ihnen Gnade widerfahren und auch wie ihnen durch den Glauben geholfen worden ist; außerdem soll man sich an ihren guten Werken ein Beispiel nehmen, ein jeder in seinem Beruf. Aus der Heiligen Schrift kann man aber nicht beweisen, dass man die Heiligen anrufen oder Hilfe bei ihnen suchen soll. ‚Denn es ist nur ein einziger Versöhner und Mittler gesetzt zwischen Gott und den Menschen, Jesus Christus‘, wie es im ersten Timotheusbrief Kapitel 2, Vers 5 heißt.“ Vorbilder im Glauben müssen nicht herausragende bzw. berühmte Persönlichkeiten der christlichen Kirchen sein. Wir alle gehören zu der Gemeinschaft der Heiligen, wie es im Glaubensbekenntnis heißt. Es sind zum Beispiel Menschen aus unseren Pfarrgemeinden, die aufrichtig und überzeugend ihren Glauben leben oder sich in ihren Pfarrgemeinden engagieren oder andere Menschen trösten und ermutigen. Unser Glaube muss immer wieder vor allem durch Jesus selbst, aber auch durch die Bibel und durch Vorbilder im Glauben gestärkt werden, damit dieser nicht wankt und erschrickt. Unser Glaube ist ein Weg mit unserem Herrn und Heiland Jesus Christus. Ein Heiliger der evangelischen Kirche, nämlich Dietrich Bonhoeffer, der 1945 von Nazis ermordet wurde und für den die Losungen eine tägliche Freude waren hat ein berührendes Morgengebet in einem Berliner Gefängnis geschrieben. In diesem stehen zum Schluss die erbaulichen Worte:

„Gott, ich verstehe Deine Wege nicht, aber Du weißt den rechten Weg für mich.“ Mit diesem Vertrauen lesen wir nun das Lied „Nun aufwärts froh den Blick gewandt“. Amen.

Lied: Nun aufwärts froh den Blick gewandt, Evangelisches Gesangbuch 394, die Strophen 1 – 5:
Strophe 1: Nun aufwärts froh den Blick gewandt und vorwärts fest den Schritt! Wir gehn an unsers Meisters Hand und unser Herr geht mit.
Strophe 2:  Vergesset, was dahinten liegt und euern Weg beschwert; was ewig euer Herz vergnügt, ist wohl des Opfers wert.
Strophe 3: Und was euch noch gefangen hält, o werft es von euch ab! Begraben sei die ganze Welt für euch in Christi Grab.
Strophe 4: So steigt ihr frei mit ihm hinan zu lichten Himmelshöhn. Er uns vorauf, er bricht uns Bahn - wer will ihm widerstehn?
Strophe 5: Drum aufwärts froh den Blick gewandt und vorwärts fest den Schritt! Wir gehn an unsers Meisters Hand, und unser Herr geht mit.

Fürbitten: Guter Gott! Du siehst in unser Herz und weißt, wie sehr wir uns nach einem guten Wort, nach Liebe und Trost sehnen. Tröste und ermutige uns, wenn wir an unserer eigenen Unvollkommenheit verzweifeln, wenn unsere Niederlagen und unser Schwachsein uns erdrücken. Lass uns spüren: Deine Liebe trägt uns in allem, durch unsere Erfolge und durch unser Scheitern hindurch zu dir. Wir bitten Dich besonders für unsere Kinder und Jugendlichen. Manche von ihnen stehen unter so großem Druck, dass sie zu zerbrechen drohen. Lass gute Menschen um sie sein! Öffne ihr Herz für Dich und Deine Liebe! Wir bitten Dich für alle, die unter den Lasten des Lebens leiden. Schenke ihnen Zeiten der Ruhe, für sich selbst und für Dich. Wir bitten Dich für alle, die Dein Wort verkünden: Gib ihnen Mut, Zuversicht und Barmherzigkeit. Wir bitten Dich für Deine Kirche bei uns und auf der ganzen Welt: Lass sie sich immer an Deiner Liebe ausrichten. Schenke ihr Vertrauen zu Dir. Wir bitten Dich für alle Christen, die ihren Glauben nicht frei leben können. Lass sie spüren, dass Du bei ihnen bist. Wir denken an alle, die krank sind, die unter Schmerzen leiden, die im Sterben liegen: Sei Du mit all Deinen guten Engeln bei ihnen. Lass sie genesen, und wenn die Zeit ihres Sterbens kommt, dann schenke ihnen einen sanften und ruhigen Tod. Lass uns in allem, was kommt, darauf vertrauen, dass Du mit auf unseren Lebenswegen bist. Amen.

Vater Unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen: Ich wünsche Euch und Ihnen einen gesegneten Sonntag mit dem Vertrauen, dass Gott mit auf unseren Lebenswegen ist. Es segne Euch und Sie der dreieinige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist! Amen.

Herzliche Grüße, Ihr und Euer Pfarrer und Obmann Uwe